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Samstag, 15. März 2014

Der Erste Weltkrieg und seine Bedeutung für die Türkei

Im Zeitraum von 1912 bis 1922 wurden durch die Kriegsereignisse in Europa die Grenzen neugeordnet. Und der Erste Weltkrieg bewirkte die Gründung des Staates Türkei, der sich allerdings erst im Jahr 1923 konstituierte. Das Osmanische Reich war einer der wenigen Verbündeten des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns, trotzdem wird in zahlreichen Betrachtungen zum Ersten Weltkrieg der Kriegsschauplatz im Osten und die politischen Auswirkungen nur selten wahrgenommen.

Das gewaltsame Ende des Osmanischen Reiches

Krieg auf dem Balkan und Rückzug aus Europa 

Die politischen Spannungen auf dem Balkan entluden sich bereits in blutigen Auseinandersetzungen im Jahr 1912, die verlustreich für das Osmanischne Reichs ausgingen. Im darauffolgendem zweiten Balkankrieg im Jahr 1913 verlor das Osmanische Reich endgültig seine Gebiete auf europäischem Boden. Den technisch und zahlenmäßig überlegenen Streikräften aus Serbien und Griechenland, die auch von Russland militärische Unterstützung erfuhren, hatte das Osmanische Reich nur wenig entgegenzusetzen.

Auch Bulgarien war nach der Unterschrift unten den Friedensvertrag von Bukarest vom 10. August 1913 neben dem Osmanischen Reich ein Verlierer der Auseinandersetzung auf dem Balkan. Die beiden Verliererstaaten traten dann ab 1914 an die Seite von Deutschland und Österreich und hofften, durch einen positiven Kriegsausgang auf eine Revision des Friedensvertrag von Bukarest.   

Ethnische Säuberungen und Kampf an der Seite von Deutschland und Österreich im Ersten Weltkrieg

Nach einer kurzen Phase der Neutralität trat das Osmanische Reich an die Seite der sogenannanten Mittelmächte im Herbst 1914. Die türkischen Machthaber in Istanbul hofften auf eine Wiedererstarkung des Osmanischen Reichs, das nun politisch von den Türken dominiert werden sollte. Die völkische Vereinheitlichung des Staates war unter Kriegsminister Enver Pascha bald das erklärte Ziel und es sollte ein völkisch-türkischer Einheitsstaat entstehen.

Im Jahr 1915 verordnete die türkische Regierung dazu Säuberungsaktionen in Anatolien, auch weil man die Bestrebungen eines möglichen Staates Armenien im Keim ersticken wollte. Schätzungen zur Folge starben rund 1,5 Millionen Armenier der Vertreibung aus ihrer Heimat zum Opfer.

Die Mittelmächte wussten von der Ermordung und Vertreibung des armenischen Volkes aus Anatolien seit 1915, wie Quellen belegen. Aber gegen das Unrecht griffen weder das Deutsche Reich noch Österreich ein. Der Kampfgefährte Türkei war zu einem wichtigem Verbündeten im Ersten Weltkrieg geworden, in dessen Belange man sich nicht einmischte. Den Verbündeten unterstützte man im wichtigen Kampf auf der Halbinsel Gallipolli, den die Türken gegen die Alliierten für sich entscheiden konnten. Der größte Erfolg der Türken auf einem Schlachtfeld im Ersten Weltkrieg.

Kein Kriegsende für die Türkei im Jahr 1918

Deutschland und Österreich kapitulierten im Jahr 1918 vor der Übermacht der Allierten. Für den Verbündeten Türkei begann aber der Freiheitskampf, der erst 1922 enden sollte. Nach dem Vertrag von Sévres am 10. August 1920 verlor das Osmanische Reich große Teile seines Territoriums. Die Türkei sollte nur noch auf einem Bruchteil seines heutigen Gebiets weiter existieren dürfen. Nach diesen Beschlüssen brach der Freiheitskampf der Türkei unter Mustaf Kemal los, an dessen Ende die Revision des Vertrags von Sévres stand.

Die Türkei konnte nach langen Kämpfen mit dem Waffenstillstand von Mudanya am 11. Oktober 1922 erreichen, dass der Vertrag von Sévres revidiert werden musste. Die Türkei konnte das Gebiet Anatolien behalten und errang seine staatliche Souveränität wieder. Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkung hatte die Gründung der Türkei geradezu erzwungen. In der blutigen Dekade von 1912 bis 1922 war das Osmanische Reich untergegangen, und aus den Trümmern des ehemaligen Weltreichs entstand ein neuer Staat: die Türkei.         

Literatur

Michael Thumann, Blut und Eisen am Bosporus. In: Zeit Geschichte (1/2014), S. 88-89.

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