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Mittwoch, 30. April 2014

Wanderausstellung zur Vertreibung der Griechen aus Istanbul

Das Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei ist seit Anbeginn der Staatsgründung der Türkei belastet. Besonders betroffen von politischen Entscheidungen waren Türken und Griechen gleichermaßen, die ihre Heimat aufgrund von Zwangsumsiedlungen verloren. Der neugegründete Staat Türkei wollte Stabilität um jeden Preis nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und den nachfolgenden Kämpfen zu Beginn der 1920er Jahre erreichen. Dazu sollte ein auf allen Ebenen einheitlicher Staat geschaffen werden.

Nach dem Vertrag von Lausanne im Jahr 1923 musste deshalb die griechisch-orthodoxe Bevölkerung Anatolien verlassen. Rund 1,5 Millionen Menschen mussten nach Griechenland zwangsauswandern. Gleichzeitig mussten etwa 5000.000 Muslime Griechenland in Richtung Türkei verlassen. Ausgenommen von der Zwangsumsiedlung blieben die Griechen, welche in Istanbul lebten. Doch diese "Schonfrist" endete für die letzten verbliebenen Griechen am Bosporus 1964. Innerhalb weniger Tage mussten auch die Istanbuler Griechen im Frühjahr 1964 nun ihre Heimat verlassen. Als Anlass für die Vertreibung diente der damaligen türkischen Regierung ein Konflikt mit Zypern. In der so genannten ersten Zypernkrise in den Jahren 1963/1964 kam es auf der Insel zu Auseinandersetzungen zwischen der zyperngriechischen Polizei und den auf Zypern lebenden Türken. Bei einem besonders schweren Kampf im Dezember 1963 starben zahlreiche zyperntürkische Zivilisten. Der Zypernkonflikt wirkte sich besonders negativ auf das Verhältnis zwischen den Staaten Griechenland und Türkei aus. Außerdem belastete er auch das NATO-Bündnis, dem beide Länder angehörten. Den in Istanbul lebenden Griechen wurde vorgeworfen, dass sie die Griechen auf Zypern mit Geld und Waffenlieferungen unterstützt hätten.   

Mit der Vertreibung der Griechen aus Istanbul im Jahr 1964 beschäftigt sich nun erstamals eine Ausstellung mit dem Namen  "20 Dollar, 20 Kilo" in der Türkei. Der Name der Ausstellung beschreibt, dass die Vertriebenen nur Geld im Wert von 20 Dollar und Gepäck im Umfang von 20 Kilo mitnehmen durften. Die Künstlerin Hera Büyüktasciyan ist die Kuratorin der Ausstellung (siehe auch den Blog: http://herabuyuktascian.blogspot.de).  

Siehe:
Christiane Schlötzer, Abschied vom Bospours. In: Süddeutsche Zeitung  Nr. 96 v. 26./27. April 2014, S. 9.

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